Neugestaltung Gänsmarkt, Bad Mergentheim

Bewerbung / lebenswerter Freiraum

Beschreibung

Aus einer Straßenkreuzung im Herzen Bad Mergentheims Altstadt wird ein Platz für alle. Wo bis vor kurzem noch bis zu 4.200 Fahrzeuge täglich passierten, entsteht ein neuer Ort der Integration und Begegnung. Der rd. 3.000 m2 große multifunktionale Platz bietet vielfältige Möglichkeiten der Aneignung für sämtliche Altersgruppen, berücksichtigt Belange demografischen Wandels und der Barrierefreiheit und ist als „Klimaplatz“ nach dem Schwammstadt-Prinzip gestaltet. Anstelle der schwarzen Asphaltdecke laden heller Muschelkalk aus der Region und diverse Sitz- und Spielgelegenheiten zum Verweilen ein. 17 Bäume in weitläufigen Pflanzmulden spenden Schatten und Feuchtigkeit. Ein Trinkbrunnen und eine Sprühnebelstehle leisten einen Beitrag zur Daseinsvorsorge in der Gesundheitsstadt Bad Mergentheim.

Ziel

Mit der Realisierung ist das zentrale Ziel verbunden, einen attraktiven öffentlichen Stadtraum zum Gehen, Flanieren und Verweilen zu schaffen, wo bisher Parkraum und Straßen überwogen. Damit fördert der Platz nicht nur die aktive Bewegung in der Altstadt, sondern auch die Gesundheit aller Stadtakteur_innen durch besseres Mikroklima und Luftqualität. Bad Mergentheim ist eine der heißesten Städte Deutschlands. Indem der Platz an Hitzetagen Schatten und Feuchtigkeit spendet, kann die Temperatur um bis zu 3°C gesenkt werden. Mit seinen modernen Cooling-Elementen leistet der Platz nicht nur einen wertvollen Beitrag zur Daseinsvorsorge, sondern ist zugleich eine zeitgemäße freiräumliche Interpretation des traditionsreichen Heilbades Bad Mergentheims.

Herausforderungen

Mit der Platzgestaltung soll der Verkehr in der historischen Innenstadt beruhigt werden. Die größte Herausforderung stellte es dar, die Bürgerschaft von der Verkehrsberuhigung zu überzeugen. Dies gelang mit verschiedenen Formaten wie einer digitalen Abstimmung unterschiedlicher Gestaltungsvarianten oder dem Testen verschiedener Möblierungen im Reallabor. So wurde der Platz im Sommer 2020 als sogenannte „Umbrella-Street“ bekannt. Schirme überspannten den Straßenraum, spendeten Schatten, Stadtgrün und nachhaltige Stadtmöbel erreichten erstmalig den Platz. Die politischen Gremien fanden eine Mehrheit zur langfristigen Umgestaltung des Platzes und stimmten der Etablierung der neuen Verkehrsführung zu. Im Frühling 2024 wird Bad Mergentheim seinen neugewonnenen Freiraum einweihen.

Kooperationen

Wesentliche Akteur_innen des Prozesses waren vor allem die Bürger_innen, die in verschiedenen Formaten an der Umsetzung beteiligt wurden. Dieser Austausch mit der Bevölkerung wurde als besonders fruchtbar erlebt, da es „ihr Platz“ werden sollte. So konnten ihre Belange und Anregungen in der Neugestaltung aufgegriffen werden. Die Planung wurde mit dem Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter abgestimmt. Beteiligte Fachplaner:innen waren: Planstatt Senner aus Überlingen, FSk Ingeniere aus Bad Mergentheim, Nano Lichtplanung Diana Meyer aus Schrozberg, Stadtwerk Tauberfranken und GH Prosound.

Mehrwert

Durch das Wegfallen der Abkürzung über den Gänsmarkt wird der motorisierte Verkehr auf die umliegenden Straßen geführt, wobei der Verdrängungseffekt auf den anderen Straßen nicht nachweisbar ist. So führt das Projekt auch zu einer deutlichen Veränderung des Modal-Splits in der Altstadt. Dieser Mehrwert wird sich spürbar auf Anwohnende und Gäste aus. Ein weiterer Mehrwert ist der messbare Beitrag des Platzes zum Klimaschutz: Neue Fernwärmeanschlüsse und die Umrüstung der Straßenbeleuchtung führen zu einer Einsparung von ca. 50 % der Treibhausemissionen. Zudem gelingt es durch weitläufige Entsiegelungen und Baumhain-Pflanzungen die sommerliche Aufheizung des Platzes um 3° C zu senken.

Besonderheit

Der radikale Umbau von der lärmenden Straßenkreuzung zum hochwertig gestalteten Altstadtplatz für Fußgehende und Radfahrende stellt ein Leuchtturmprojekt für die Kommune dar. Das Projekt leistet einen innovativen Beitrag zum Ziel der Landesregierung Baden-Württemberg, 500 verkehrsberuhigte Ortsmitten bis zum Jahr 2030 zu schaffen. Zudem ist der neue Gänsmarkt das Starterprojekt der baden-württembergischen Landesgartenschau 2034, die unter der Konzeption "Blühende Quellen" steht. Das Projekt soll der Motor für die weitere Umgestaltung der Altstadt Bad Mergentheims sein. Erprobt werden deshalb innovative Maßnahmen aus verschiedenen Bereichen, die skalierbar sind, wie etwa die Cooling-Maßnahmen.