WERFT 16

Nominierung / Intelligente Nachverdichtung

Beschreibung

Der Fokus des Nutzungskonzepts der Bauherrin für das Gebäude lag von Anfang an auf der Vereinbarkeit von Wohnen und Arbeiten, von Beruf und Familie. Es sollte ein Ort geschaffen werden, der gemeinschaftlichen Mehrwert bildet. Der hauseigene Kindergarten, der „Werftraum“ – ein für alle nutzbares Wohnzimmer und die organisierten Sportmöglichkeiten sind Zeichen dieses Verschwimmens von Wohnen und Arbeit. Unser architektonisches Konzept sah vor, für diese New Work Philosophie ein weithin sichtbares Zeichen des Wandels zu schaffen – jedoch im respektvollen Umgang mit dem Bestand.

Ziel

Ziel war es, eine nachhaltige und attraktive Stadtentwicklung im Dialog mit dem Bestand zu schaffen. Der Bau aus den frühen 80ern wurde weitgehend erhalten und unter minimalem Materialeinsatz neu ausgebaut. Die Original-Vorhangfassade mit Aluminium-Paneelen wurde belassen und von innen freigelegt, nur die Fenstergläser ausgetauscht. Im Innenbereich wurden offene, transparente und kommunikative Bürobereiche geschaffen. Konstruktive Elemente des Hauses blieben unverkleidet und bilden mit ihrer Patina einen Kontrast zu den Ausbauten. Die Aufstockung versteht sich als eigenständiges Gebäudeelement. Die markanten runden Ecken der Fenster und der Kubatur setzen sich hier fort. Metallverkleidung und Materialkonzept stehen im warmen Kontrast zu den kühleren Farben und Materialien des Bestandes.

Herausforderungen

Eine der Herausforderungen bestand in der konstruktiven und technischen Erweiterung und Aufstockung eines bestehenden Gebäudes um ein weiteres Stockwerk/Gebäudevolumen. Die Tragkonstruktion hatte zwar rechnerisch ausreichende Lastreserven – jedoch lediglich auf den bestehenden Stützenköpfen. Die nun umgesetzte Aufstockung besteht aus einer möglichst leichten Stahl-, Holz- und Glaskonstruktion, die über einen Lastverteilrost ihre Lasten an die bestehende Tragkonstruktion abgibt. Konzeptionell war die Herausforderung den New Work Gedanken in einer industriell geprägten Umgebung zu etablieren, Startprojekt zu sein von einer neuen städtebaulichen Entwicklung direkt am Rhein – analog zum Düsseldorfer Medienhafen, wo diese Nutzungserweiterung schon vor 30 Jahren gestartet ist.

Kooperationen

Schon in der Entwurfs- und Planungsphase wurden aus unterschiedlichsten Richtungen Erfahrungen und Meinungen gehört, gewertet und in die Planung integriert. Die Erarbeitung der baulichen Lösung basierte stark auf einem iterativen Prozess mit den Handwerkern und Fachleuten. Gemeinschaftlich wurde die beste Lösung gesucht. Die Schlosser hatten maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung und Umsetzung der Trennwände, Waschtische und Geländer; der Schreiner hat Vorschläge für Verkleidungen und Einbauten erarbeitet und der Fassadenbauer für die Eingangsanlagen war schon in der Entwurfsphase involviert um die bestmögliche Detaillierung und Maßlichkeit zu finden.

Mehrwert

Das Projekt liegt in Heerdt, einem dörflich geprägten Viertel Düsseldorfs direkt am Rhein. Der Bereich um die Werftstraße zeichnet sich durch eine rein industrielle Nutzung aus. Mitten in dieser diversen Umgebung leuchtet die WERFT 16 weithin nicht nur durch ihre markante goldene Erscheinung, sondern durch ihr Nutzungskonzept, das bereits jetzt, kurz nach der Eröffnung neue Entwicklungen in der Nachbarschaft nach sich zog. So wirkt das Projekt als Entwicklungskatalysator für den Stadtteil. Neue Gesichter und neue Ideen sind dazugekommen; auch nach klassischen Bürozeiten ist die Umgebung belebt. Zusätzlich wurden bewusst lokale Handwerker involviert – viele Firmen sind in fußläufiger Entfernung vom Projekt ansässig. Die beiden Schlosser, der Schreiner, die Sanitär- und Lüftungstechnikfirma.

Besonderheit

Dieses Projekt lebt das Prinzip DAS DORF IM HAUS. Die dörfliche Gemeinschaft der Mieter und Nutzer in einem Haus unterscheidet das Projekt von anderen. Die Mieter kennen sich untereinander, nehmen teilweise gemeinsam am großen Tisch das Mittagessen ein oder machen gemeinsam Sport. Neben der sozialen Nachhaltigkeit besticht das Projekt auch durch eine hohe ökologische Nachhaltigkeit. Statt einem Neubau wurde hier eine progressive 80er Jahre Architektur reaktiviert und mit maximaler Wiederverwertung der Bestandsmaterialien saniert, erweitert und umgenutzt.