Soziale Quartiersentwicklung:

Stiftungsdorf Ellener Hof

Bewerber

De Zwarte Hond GmbH

Projekt-Partner

  • Bremer Heimstiftung
  • RMP Stefan Lenzen Landschaftsarchitekten
  • Ziegert | Roswag | Seiler Architekten Ingenieure
  • Atelier pk
  • gruppeopm Architekten
  • Tilgner & Grotz Architekten
  • protze + theiling

Website

http://blog.ellenerhof.de/

Weitere Website: www.dezwartehond.nl/de

Beschreibung

Mit dem Ellener Hof entsteht in Bremen-Osterholz auf 12 ha Fläche ein innovatives Wohnquartier ganz aus Holz. Initiatorin und Auftraggeberin des Modellprojekts ist die Bremer Heimstiftung, die 2016 einen kooperativen Wettbewerb für die nachhaltige Entwicklung des Areals auslobte. Hierbei setzte sich der städtebaulich-freiraumplanerische Entwurf von De Zwarte Hond/RMP Stefan Lenzen Landschaftsarchitekten durch, der ein organisches Quartier in der Struktur eines gewachsenen Dorfes vorsieht. Schon im städtebaulichen Entwurf wurden charakteristische Typologien für Häuser in serieller Holzbauweise entworfen. Realisiert wird ein Quartier mit ca. 500 Wohnungen für etwa 1.000 Bewohner*innen unterschiedlicher Lebensentwürfe – ein nachhaltiges urbanes Dorf mit Vorbildfunktion über Bremen hinaus.

Ziel

Das sozial-ökologische Modellprojekt strebt nach maximaler Heterogenität und Durchmischung. Ziel ist es, ein urbanes Wohnviertel für 1.000 Bewohner*innen unterschiedlichster Lebensentwürfe zu schaffen und insbesondere die Bedürfnisse von jungen Familien, Älteren, Studierenden und Wohnprojekten zu berücksichtigen. Ziel war es überdies, dem Viertel in der Struktur eines gewachsenen Dorfes in Holzbauweise eine ortstypische Identität zu geben. (Die Entwicklung serieller Typologien, die sich günstig und variabel realisieren lassen, knüpft an die Idee des Bremer Hauses an.) Angestrebt werden gleichzeitig maximale Biodiversität, möglichst geringe Bodenversiegelung, Nachhaltigkeit in der Energieversorgung und ein zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept.

Herausforderungen

Das Stiftungsdorf Ellener Hof nimmt gleich mehrere akute gesellschaftliche Probleme in den Blick: den Bedarf an bezahlbarem Wohneigentum/-raum in städtischen Ballungsräumen, verbunden mit der Frage nach sozialer Quartiersentwicklung und gesellschaftlicher Teilhabe. Vor dem Hintergrund von Zuwanderung in urbanen Räumen und dem demographischen Wandel, der neue Wohnkonzepte und Wohnbedürfnisse für Älteren, Menschen mit besonderen Bedarfen, Familien und Alleinstehenden hervorbringt, bietet der Ellener Hof variable und nachhaltige Lösungen an. Nicht zuletzt stellt sich angesichts von Klimawandel, Energiewende und Rohstoffknappheit das drängende Problem, wie städtischer Wohn- und Lebensraum künftig gestaltet werden kann: nachhaltig, gesund, biodivers und lebenswert.

Kooperationen

Großer Wert wurde von Anfang an auf ein kooperatives Planungsverfahren. Bereits im städtebaulichen Maßstab wurden verschiedene serielle Gebäudetypologien (bis LPH 4) entworfen, die in einem Werkstattverfahren mit vier – in nachwachsenden Baustoffen erfahrenen – Architekten entwickelt wurden. Dieses Verfahren erlaubte es, die bestehenden Möglichkeiten und spezifischen Spielräume der Bauordnung, des Brandschutzes und des Einsatzes von natürlichen Baustoffen für Dämmung, Fassade und Konstruktion optimal zu nutzen. Bei der späteren architektonischen Umsetzung ist es dann möglich, weitestgehend innerhalb bestehender Normen und Regeln zu operieren. Die Ergebnisse aus der Werkstatt wurden in einem Gestaltungshandbuchs aufbereitet, das für die insgesamt 15 Baufelder Qualitätsmaßstäbe setzt.

Mehrwert

Neben den etwa 1.000 Bewohner*innen, für die der Ellener Hof ein neues Zuhause sein wird, profitieren Stadtklima und Natur. Die privaten und kollektiven Freiräume fördern ökologische Diversität, sozialen Zusammenhalt und ein gesundes Stadtklima. 80% des vorhandenen Baumbestandes werden erhalten. Die sensible Nutzung der bebaubaren Flächen minimiert Versiegelung und bewahrt ein Maximum an Grün, das im Entwurf durch naturähnliche gestaltete Elemente wie die offene Regenwasserretention noch unterstützt wird. Insekten- und Vogelweiden, heimatliche Obstbäume, Sträucher, Hecken und das natürliche Wegenetz sorgen für Identität und viel gesunde Aufenthaltsqualität. Gemäß Bebauungsplan sind Flachdächer ohne Nutzung zu mindestens 80% zu begrünen.

Besonderheit

Der Ellener Hof zeichnet sich dadurch aus, dass Nachhaltigkeit als soziale und gemeinschaftliche Aufgabe verstanden wurde und in kooperativer Weise auf den Weg gebracht wurde. Zur besonderen sozialen Verantwortung, der sich die Bremer Heimstiftung verpflichtet fühlt, gehört überdies, dass Bauland hier in Erbpacht vergeben wird. Auf der Ebene der Bau- und Planungskultur ist zu bemerken, dass verschiedene Akteure kooperativ eingebunden wurden. Die Entwicklung serieller Typologien erfolgte in kooperierender Zusammenarbeit von vier in Holzbauweise erfahrenen Büros. Das Gestaltungshandbuch wurde im Rahmen eines Workshops von vier Architekturbüros gemeinsam erarbeitet. Nachhaltigkeit, Qualität und soziale Verantwortung gehen hier Hand in Hand.

Daten

Projektstatus

Städtebaulicher Entwurf/Wohnen nach Wettbewerb 2016, in Realisierung

(Voraussichtliche) Fertigstellung

Baubeginn 2018, Fertigstellung in Teilabschnitten