Schreibfederhöfe, Berlin

Bewerbung / Intelligente Nachverdichtung

Beschreibung

Die Schreibfederhöfe in Berlin-Friedrichshain gliedern sich in drei Bauteile: Entlang der Boxhagener Straße entstanden 112 Mietwohnungen mit gewerblicher Nutzung im Erdgeschoss (Bauteil A). Das mittlere Bauteil des Projektes ist die denkmalgeschützte Schreibfederfabrik mit ihrer schweren Ziegelarchitektur (Bauteil B). Sie wurde Ende des 19. Jhd. im Rahmen der Industrialisierung errichtet und gibt nun den Ton an, verbindet die neuen Gebäude miteinander, bestimmt Materialitäten und Fassadengestaltung und bietet Gewerbeflächen und Büros. Hier wurde das fehlende Dachgeschoss neu aufgebaut, im hinteren Bereich stellt ein Anbau die Kubatur der Fabrik wieder her. An der Weserstraße entstanden 104 Eigentumswohnungen inkl. einer Tiefgarage und begrüntem Innenhof (Bauteil C).

Ziel

Das besondere an den Schreibfederhöfen ist die gelungene Verbindung von alt (Bestand Bauteil B mit Bestandsmietern) und neu (Neubauten, Anbauten, Aufstockung, Einbindung einiger Bestandsmieter in das neue Konzept). Ebenso besonders ist die hohe Qualität der Ausführung, insbesondere die Fassaden der Neubauten in Sichtmauerwerk aus Petersen Ziegeln, die sich mit der Bestandsfassade von Bauteil B verbinden. Die Neubauten schließen nun den Straßenraum und bilden mit dem Bestandsgebäude drei kleine Höfe. Das so entstandene Ensemble gliedert sich in die umliegende Bebauung gut ein, insbesondere an die angrenzende Projektentwicklung „Box 7“. Das Konzept wurde in Abstimmung mit dem Bezirk bzw. der Stadtplanung entwickelt.

Herausforderungen

Herausfordernd war die Integration der bestehenden, denkmalgeschützten Bebauung in das Gesamtensemble, es gab hohe Anforderungen des Denkmalschutzes. Die Baustellenlogistik war herausfordernd durch die eingeschränkte Zugänglichkeit der Baufelder an den Stirnseiten. Zudem durften die Bestandsmieter im Gewerbeteil während der Bauphase weiter tätig sein. Erschwerend war auch die Realisierungsphase des Projekts während der Coronapandemie und der Ukraine-Krise. Innovativ ist der Schallschutz an der Weserstraße (Bauteil C) wegen des vorgelagerten Fußballplatzes sowie an der Boxhagener Straße (Bauteil A) wegen der Straßenbahn sowie wegen dem Lärm durch Anlieferungen (Lidl etc.)

Kooperationen

Hervorzuheben ist die Einbindung von vielen verschiedenen Bestandsmietern aus dem Handwerk in Bauteil B in das neue Konzept, wie z.B. Elektro Hoffmann und Druckerei Semmer, dem Yoga Studio, einer Schauspielschule, Brammabal Donuts und relativ vielen neuen Unternehmen aus dem Tech Bereich. Es gab eine enge Zusammenarbeit mit der Ziegelei Petersen Tegl A/S sowie mit dem Denkmalschutz.

Mehrwert

Es gibt Ladevorrichtungen für die Stellplätze, eine gute Zugänglichkeit im EG für Fahrräder (auch Lastenfahrräder). Die Wohngebäude sind angeschlossen an das Nahwärmenetz mit Erdgas-Blockheizkraftwerk. Geheizt werden die Wohnungen über Fußbodenheizungen, Warmwasser wird bezogen über ein Blockheizkraftwerk. Um die Wohngebäude wurden Grün- und Spielflächenflächen angelegt. Bei Bauteil A (Mietwohnungen) sind die Balkone und Terrassen zu den Innenhöfen ausgerichtet, im 3. OG gibt es einen Dachgarten. Bauteil C (Eigentumswohnungen) ist rein fußläufig zu erschließen, wodurch ein geschützter Wohnbereich mit einem familienfreundlichen Innenhof mit Spielgeräten entstanden ist.

Besonderheit

Im Zentrum steht die historische Schreibfederfabrik mit einer durch gelbe Ziegeln verblendeten Fassade und roten Ziegelbändern. Beide Wohnneubauten erhielten zur Straße hin eine Klinkerfassade und zu den Innenhöfen eine Putzfassade. Wir verwendeten Ziegel, die im Farbspiel des Bestandes blieben. Den Neubau, den wir an die Schreibfederfabrik anfügten, ergänzten wir ebenfalls mit Ziegeln und übernahmen auch die Gliederung der Fassade, die sich so harmonisch einfügt. An der Weserstraße wurde durch einen harmonischen Farbverlauf der Klinker ein besonderes Fassadenbild geschaffen, das zwischen den hellen Putzfassaden entlang der Straße und den dunklen Klinkerfassaden im Innenhof vermittelt. Die Klinker entwickeln sich von hellbeige zu dunkelrot mit verschiedenfarbigen Fugen.