Bleichert Werke, Leipzig

Bewerbung / Urbanes Flächenrecycling

Beschreibung

Ein großflächiges, jahrzehntelang brachliegendes Areal im beliebten Leipziger Stadtteil Gohlis wurde mit der Revitalisierung und Konversion der einst weltgrößten und ältesten Fabrikanlage für Drahtseilbahnbau zum gleichnamigen Wohnquartier „Bleichert Werke“ wieder mit Leben gefüllt. Zwischen Wilhelm-Sammet-Straße, Lützowstraße und der S-Bahn-Trasse ist ein Ensemble aus wiederhergestellten, teils denkmalgeschützten und zur Wohnnutzung umgestalteten Industriebauten entstanden. Es wurde durch modernen Neubau ergänzt, der sich harmonisch in das Gesamtquartier einfügt und den Nutzermix komplettiert. Das Objekt leistet mit dieser Lückenschließung einen wichtigen Beitrag zur Schaffung neuen Wohnraums in Leipzig sowie zur Belebung und weiteren Stärkung dieses beliebten Wohnviertels.

Ziel

Unser Ziel war es den gründerzeitlichen Industriecharakter der Bestandsbauten durch denkmalgerechte Sanierung zu erhalten und gleichzeitig den Anforderungen zeitgemäßen Wohnens gerecht zu werden. Ergänzt werden sollten die revitalisierten Gebäude mit moderner, aber dennoch integrierender Architektur für Büro, Gewerbe und Kita. Zudem wollten wir das historische Andenken des alten Werks bestmöglich bewahren und möglichst viel von der historischen Bausubstanz retten und entsprechend denkmalgerecht oder über die gesetzlichen Vorgaben hinaus sanieren. So wurden etwa sämtliche Außenfassaden mit ihren Stuckelementen liebevoll restauriert und Elemente durch hochwertige Substitute ergänzt. Zudem wurden bestehende Innenelemente, Malereien, Fliesen oder Holzvertäfelungen.

Herausforderungen

Zum Beginn der Projektplanungen im Jahr 2013 galt das Areal als die wohl größte Industriebrache Leipzigs. Am Standort fehlten sämtliche Anschlüsse für Wasser, Strom oder Telefon. Neben der kompletten Neuerschließung des Geländes war die Entsorgung der Altlasten aus einigen Gebäuden des ehemaligen Industriewerks nötig. Vor Baubeginn mussten wir zudem zahlreiche Abbrucharbeiten an den eingefallenen Häusern sowie die Sprengung des alten Schornsteins im Süden des Areals vornehmen. Hinzu kam, dass die Altfundamente teilweise nicht den aktuellen Standards entsprachen und ersetzt werden mussten. Eine weitere Herausforderung bestand darin, die individuellen Strukturen der einzelnen Gebäude mit den Anforderungen zeitgemäßen Wohnens und Arbeitens zu verbinden und dabei eine ästhetisch ansprechende S

Kooperationen

Für die Planungen wurde das renommierte Leipziger Büro Fuchshuber Architekten gewonnen. Der Auftrag lautete, das brachliegende Areal in ein repräsentatives Wohnquartier mit Industriecharme umzuwandeln, das einerseits auch Gewerbe- und Büroflächen integriert, andererseits die Baudenkmäler durch stimmige Neubauten ergänzt. Um die für den Entwurf notwendigen komplexen Planungen für Statik und Tragwerk optimal zu bewältigen, arbeitete das Team von Fuchshuber Architekten eng mit dem Ingenieurbüro ibr tragwerk BARTH+RUGENSTEIN GmbH zusammen. Viele weitere Geschäftspartner waren an der Planung und dem Bau beteiligt: Fachplaner, -ingenieure und -gutachter, die gesamte Handwerkerschaft sowie die Vertreter der Stadt Leipzig aus den Fachbereichen Stadtplanung, Denkmalschutz sowie Bau- und Wohnungsauf

Mehrwert

Als die Planung und das Bauvorhaben anfingen, war das Thema Nachhaltigkeit für uns schon wesentlich bedeutender als es üblich war. Für das Quartier wurde ein Energiekonzept erarbeitet, das auch in den zum Teil 150 Jahre alten Backsteinhäusern die Integration zeitgemäßer Lösungen möglich macht. So kommen Luftwärmepumpen, Fernwärme und Blockheizkraftwerke zum Einsatz, um Emissionen effektiv zu minimieren. Auch das Thema nachhaltige Materialien spielt eine große Rolle. So haben wir bei der Innendämmung zum Beispiel komplett auf Styropor verzichtet und nur Mineralwolle verwendet. Den Abrissschutt von Haus 9 und 11 haben wir für die Natursteinsockel von Haus 2 und 15 wiederverwendet. Insgesamt wurde alles an Fenstern, Treppengeländern, Bodenbelägen, Fassaden usw. gerettet, wenn es möglich war.

Besonderheit

In ihrer Abgeschlossenheit und Gestaltung ist die Quartiersentwicklung der Bleichert Werke sicherlich einmalig in Leipzig. Jedes Gebäude brachte nicht nur eine andere ehemalige Nutzung, sondern auch einen anderen Zustand und andere bauliche Herausforderungen mit. Und trotz der äußerlichen Ähnlichkeiten brauchte jedes Gebäude deswegen ein komplett eigenes Konzept. Diese Komplexität über einen so langen Zeitraum zu bewerkstelligen, ist etwas Besonderes. Die Bleichert Werke waren und sind ein wesentlicher Teil der Leipziger Industriekultur, entstanden über mehrere Jahrzehnte mit durchaus anspruchsvoller Gründerzeitarchitektur, aber auch Jugendstilanklängen. Das Ergebnis ist ein Quartier mit enorm vielfältigen Wohnungen, modernen Büros und einer Kita mit viel Grün mitten in der Stadt.