Baugemeinschaft »Wohnen mit Kindern – wmk3« in Düsseldorf

Nominierung / Soziale Quartiersentwicklung

Beschreibung

Auf einer ehemaligen Industriebrache im Düsseldorfer Osten realisierte die Baugemeinschaft »Wohnen mit Kindern – wmk3« ein Mehrfamilienhaus mit 30 individuell geplanten Miet- und Eigentumswohnungen, einer Tiefgarage und diversen Gemeinschaftseinrichtungen. Für eine verlässliche Nachbarschaft und einen vielfältigen Wohnungs-Mix, wurde jede Wohnung in einem mehrstufigen, partizipativen Planungsprozess von den Architekten gemeinsam mit den Bewohnern entwickelt. Besonderen Wert legte die Gruppe auf den Mehrwert fürs Quartier: Ein großer Gartenhof mit einem öffentlichen, von der Baugruppe eigens erstellten Quartiers-Spielplatz, wird von den Gebäudflügeln des Wohnhauses städtebaulich gefasst. Der Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss öffnet sich mit einer Außenterrasse zum öffentlichen Raum.

Ziel

Erklärtes Ziel der Baugemeinschaft war es, familienfreundliche Wohnungen in Gemeinschaft zu planen und zu realisieren. Sie sollten für alle Generationen attraktiv und für junge Familien in Düsseldorf bezahlbar sein. Erste Priorität hatte daher kostengünstiges Bauen. Nachhaltigkeit/Ökologie, ausreichende Flächen für Begegnung und Gemeinschaft und eine hohe Gestaltqualität waren die weiteren wichtige Ziele. Als Planer wollten wir Begegnungen auf den Schnittstellen alltäglicher Wege fördern und so mit der Architektur den Gemeinschaftsgedanken stärken. Die Erschließung aller Wohnungen erfolgt daher über offene Galerien und einen zentralen, skulpturalen Treppen- und Aufzugsturm. Das »Gemeinschaftshaus« wurde als eigenständiger Baukörper am Schnittpunkt der Wohnflügel ausgebildet.

Herausforderungen

Das Haus bietet mit seiner »kommunikativen« Architektur« differenzierte Räume, die zu informellen Begegnungen einladen. Die über 2m breite Erschließungsgalerie ermöglicht ein zwangloses Schwätzchen mit dem Nachbarn, im Gemeinschaftsraum findet gemeinsames Singen und der Yoga-Kurs statt, oder man schaut gemeinsam Fußball oder Tatort mit den Nachbarn. Dennoch hat jede Wohnung auch eine "private Seite", mit einer dem Gemeinschaftshof abgewandten Freifläche in Form einer privaten Terrasse, eines Balkons oder einer Dachterrasse. Erst die Möglichkeit dieses »Rückzugs« ermöglicht auf Dauer ein gut funktionierendes Gemeinschaftsleben.

Kooperationen

Die Planung und Realisierung eines Baugruppenprojektes mit 30 Wohneinheiten und ca. 60 Baugruppenmitgliedern stellt immer eine organisatorische Herausforderung dar – sowohl für Planer als auch für die Bauherrenschaft. Wichtig für das Gelingen war eine klare Eigen-Strukturierung der Baugruppe (Arbeitsgemeinschaften zu bestimmten Themen, definierte Ansprechpartner, Projektleitung). Eine externe Moderation begleitete den Planungsprozess professionell. Hilfreich war auch, dass die meisten beteiligten Planer (Architekt, Freiraum, Brandschutz, TGA, Statik, Finanzberatung) bereits Baugruppenerfahrung hatten. So konnten in partnerschaftlichem Miteinander die Projektziele erreicht werden.

Mehrwert

Großer Wert wurde auf umweltverträgliche Standards und Materialien gelegt. Das Gebäude ist als KfW70-Effizienzhaus errichtet, ein Blockheizkraftwerk, eine Solarthermie- und eine Photovoltaik-Anlage auf den Dächern erzeugen umweltfreundlich Strom und Wärme. Eine feuchtegeführte Komfortlüftung sorgt für hygienische Raumluft und spart Energie. Die vielfältigen und individuellen Wohnungsgrößen und -typen sind in der Fassade des Gebäudes mit seinen abgesetzten Kammputzfeldern ablesbar und bilden einen bewussten Kontrast zu anonymen Lochfassaden mancher Nachbargebäude. Die Nachbarschaft profitiert vom Spielplatz im 2.000qm großen, frei zugänglichen Gartenhof und von den Angeboten im Gemeinschaftshaus der Anlage.

Besonderheit

Der Bebauungsplan sah ursprünglich zwei parallele Gebäudezeilen mit z.T. oberirdischen PKW-Stellplätzen vor. Die stattdessen nun realisierte L-Form, mit einem autofreien, geschützten Spiel- und Gemeinschaftshof und Stellplätzen in der Tiefgarage überzeugte von Anfang an Bauherren und Stadtverwaltung und enstpricht viel besser den Bedürfnissen der Bewohner im Quartier. In konstruktiver Zusammenarbeit wurden die notwendigen Abweichungen gestattet. Praktisch alle notwendigen Stellplätze wurden in einer Tiefgarage nachgewiesen, so dass der Hof autofrei ist. Um Baukosten zu sparen, wurde nur ein Teil des Gebäudes unterkellert. Die lichte Geschosshöhe beträgt ca. 2,70m. Alle Wohnungen und Ebenen sind barrierefrei, bei Masionette-Wohnungen ist eine ebene barrierefrei erreichbar.